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19.03.2012, 18:00 Uhr

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Forum der Jungen Union Aalen mit dem hessischen Integrationsbeauftragten Ismail Tipi

Thilo Sarrazin, „Hassprediger“ Pierre Vogel, das Kopftuchthema, Zwangsheirat – Menschen und Themen, die in der Gesellschaft kontrovers diskutiert werden. Beim Integrationsforum der Jungen Union Aalen war das nicht anders: Einer Meinung waren die Gäste nicht immer, trotzdem waren sich die meisten am Ende einig, dass man bei der Integration nur gemeinsam was bewegen könne.

Das Podium beim Integrationsforum: von links Murat Göl, Sprecher der Fatih Cami- Moschee in Aalen, Hessens Integrationsbeauftragter Ismail Tipi, JU-Vorsitzender Lutz Kiesewetter. (Foto: BW)
Schwäbische Post / Benedikt Walther - Es ist das zweite Mal, das die Junge Union (JU) zu einem Integrationsforum lädt. Vorsitzender Lutz Kiesewetter leitete die Diskussion, die dieses Mal im Rathauskeller stattfand.

Zur Einleitung präsentierte der Integrationsbeauftragte der Stadt Aalen, Michael Felgenhauer, Zahlen und Fakten zur Integration in Aalen. 76,1 Prozent der 65 635 Einwohner in Aalen sind Deutsche ohne Migrationshintergrund, 23,9 Prozent Migranten. In Aalen leben Menschen aus 120 Nationen, die meisten Migranten kommen aus der Türkei. „Sprachprobleme, mangelnde Bildungsabschlüsse, Arbeitslosigkeit, die Bildung von Parallelgesellschaften“, das seien Stolpersteine der Integration, so Felgenhauer. Lösungsvorschläge stellte er abschließend vor: etwa Sprachförderprogramme, beginnend im Kindergarten, eine Erhöhung des Anteils von Migrantenkindern in Gymnasien und Realschulen und die Einbindung in Vereine, Parteien und Gremien.

Neben ihm war an diesem Abend auch Murat Göl, der Sprecher der Fatih Cami- Moschee in Aalen, anwesend. Der musste zur Diskussion aber gehen, also konzentrierte sich das Forum fast ausschließlich auf den Integrationsbeauftragten der hessischen Landesregierung, Ismail Tipi (CDU). Der ehemalige Chefreporter der türkischen Zeitung „Hürryet“ zeigte sich als Mann klarer Worte: „In Deutschland haben wir eine hochentwickelte Willkommenskultur – aber keine Dankbarkeitskultur.“ Tipi ist Deutschland sehr dankbar, es habe ihm viel gegeben. Dies führte ihn zu der Frage, was man gemeinsam für dieses Land tun könne. Dabei ging Tipi – der nach eigenem Bekunden täglich gelungene Integration erlebt – hart mit den Migranten ins Gericht: „Sie müssen aufhören, die Gaffer der Nation zu sein und sich ehrenamtlich betätigen“. Denn wer teilnimmt, „dem stehen alle Türen offen“.

Natürlich durfte das Thema Thilo Sarrazin auch bei diesem Forum nicht fehlen: „Er hat nichts Neues gesagt und hat im Kern recht“, brach Tipi eine Lanze für den Buchautor, um ihn kurz darauf zu kritisieren: „Aber nicht jeder Türke produziert Kopftuchmädchen – das stimmt so einfach nicht.“ Zum „Hassprediger“ Pierre Vogel kannte Tipi hingegen keine zwei Meinungen: „Er ist ein Scharlatan, er legt Geschwüre frei und fügt der Integrationsarbeit großen Schaden zu.“

Umstritten war das Thema Zwangsheirat. Tipis Antwort, Eltern wollten nur das Beste für ihr Kind und das sei eben eine Tradition, konnte die meisten nicht überzeugen. Uneinigkeit auch beim Thema Kopftuch: „Das Problem ist nicht das normale Kopftuch, sondern die Vollverschleierung (Burka) – sie nimmt der Frau das Gesicht weg und entrechtet sie“, betonte Tipi. „Wir müssen in Aalen erreichen, dass sich alle als Einheimische fühlen, egal,aus welcher Kultur sie kommen“, zog Integrationsbeauftragter Felgenhauer ein Fazit. Tipi: „Es gilt die Gemeinsamkeiten finden – wir müssen aufhören, Unterschiede zu sehen“.

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